25.06.2016 HP-Superzelle im Erzgebirge

Hallo liebe Leser/innen,

vom 23.06.2016 – 25.06.2016 gab es ein kurzes Hitzeintermezzo in Deutschland. Dabei gab es starke Warmluftadvektion durch eine Südwestlage. Recht zügig stiegen die Temperaturen an. Vor allem in der Mitte und Osten von Deutschlands gab es bis zu 35 °C. Doch ruhiges Sommerwetter durften wir nicht erwarten. Im Gegenteil, denn schon am 23. Juni krachte es mächtig gewaltig. Die Ausgangslage für Großhagel und Tornados war extrem. Extrem viel Cape, bei einer leicht gedeckelten Luftmasse und einem Jet in der Höhe sorgten für die richtigen Zutaten einer Schwergewitterlage.

In Nordwestdeutschland gab es starke Überflutungen und Hagel bis 6 Zentimeter. Teilweise blitzte es bis zu 100 Blitze / Minute. Die Nacht wurde zum Tage. In Holland gab es an zwei Tagen schwere Hagelunwetter. Teilweise fielen über 8 cm große Hagelsteine vom Himmel. Ausmaße, die man eigentlich nur aus den USA kennt, gab es nun in Deutschland.

Für Sachsen wurde die Wetterlage am Samstag interessant. Schon 2 Tage zuvor errechneten die Wettermodelle massive Unwetter im Erzgebirge. Immer wieder wurde eine „Erzgebirgssuperzelle“ prognostiziert. Mit Annäherung einer Kaltfront sollte die heiße Luftmasse ausgeräumt werden.

Die Wettermodelle hatten nicht Unrecht. Gegen 13 Uhr gab es erste Entwicklungen über Annaberg-Buchholz. Recht zügig war klar, dass nach Entstehung eines Gewitters über Annaberg, es zu einer Superzellenentwicklung kommen wird. Bodennah strömte die Luft aus Südost in das Gewitter hinein. Darüber wehte der Wind aus Südwest. Windscherung war vorhanden.

Nachdem der Aufwindbereich leicht rotierte, verlegten wir unseren Standort gen Marienberg. Am Pöhlberg nahm die Superzelle nun immer mehr Struktur an.

Am Flugplatz in Großrückerswalde sah man schließlich mit bloßem Auge die Rotation. Die Intensität der Superzelle war bei deutlich über 55 dbz.

Insgesamt 3 Chaser aus dem Team waren nun an dieser Superzelle dran und konnten alle Auswirkungen sehr schön dokumentieren. Der heftigsten Core ging um Wolkenstein nieder. Michel dokumentierte bis zu 5 Zentimeter großen Hagel. An der Heinzebank waren es noch 3-4 Zentimeter. Extremer Starkregen trat auf.

Ca. 20 Minuten nach dem Hagelschlag fand man noch immer ca. 2,5 cm große Hagelkörner. Diese waren durch den Regen schon etwas geschmolzen. Daher sind 4-5 cm direkt während des Hagelschlags plausibel.

Nun heulten auch schon die Sirenen. Zahlreiche Feuerwehren waren im Einsatz. Wasser schoss durch die Straßen. Äste fielen auf der Fahrbahn.

In Eppendorf regnete es so stark, sodass der Dorfbach über die Ufer trat. Wieder einmal kämpften die Leute hier gegen die braune Masse.

In Pockau mussten Äste zersägt werden. Sie blockierten die Fahrbahn.

Am Abend sollte zudem noch eine Gewitterlinie aufziehen. Die Entwicklungen in Südbayern waren beängstigend. Enorme Gewitterzellen entstanden hier mit Kurs auf Sachsen. Zum Glück schwächte sich das ganze System ab, sodass ein starkes MCS aus blieb. Dennoch war der Aufzug des Gewittersystems extrem fotogen. Bis in 12 Kilometern Höhe sah man die labile Bewölkung. Mammaten wurden von der untergehenden Sonne angestrahlt. Solch Wettermotive sieht man nicht alle Tage.

Weitere Superzellen gab es zudem um Dorfchemnitz und Schwarzenberg. In Beierfeld gab es enorme Schäden durch mehrere Zellen über dem Ortskern. Dorfchemnitz und Zwönitz kämpfte gegen ein Hochwasser.

Insgesamt kamen wir aber mit einem blauen Auge davon. Hätte es die Entwicklungen nur 3 Stunden später gegeben, wären die Unwetterfolgen deutlich schlimmer gewesen!

Ein Video von der HP-Superzelle:

Im Bereich Zwönitz/Dorfchemnitz führten mehrere starke Niederschläge ebenfalls zu Überschwemmungen. Zahlreiche Erdblitze schlugen ein. Vermutlich durch einen Blitzschlag zeigte der Bahnübergang zwischen Niederzwönitz und Dorfchemnitz rotes Signal. Eine der beiden Schranken war zudem geschlossen, was bei Autofahrern für Verwirrung sorgte.

Die Kanalisation auf der Albin-Trommler-Straße in Zwönitz konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen.

Kanaldeckel wurden auf der Albin-Trommler-Straße herausgedrückt.

Das gesammelte Wasser schoss anschließend über die Lessingstraße in ein Wohngebiet.

Binnen weniger Minuten stieg der Flusspegel der Zwönitz stark an. Anliegende Grundstücke im gesamten Zwönitztal standen unter Wasser. In Niederzwönitz erreichte der Pegel die Meldestufe 2.

Video zu den Ereignissen aus Zwönitz:

Hier noch 2 Bilder vom Aufzug und aus der Umgebung Marienberg von der Superzelle.

Das Gewitter das im Raum Schwarzenberg und bei Zwönitz für Überschwemmungen sorgte, war zudem relativ Blitzstark.Dauergrummeln und viele Erdblitze konnte man von Ehrenfriedersdorf aus in diese Richtung wahrnehmen.

Danach fuhr Teammitglied Norbert Richtung Osterzgebirge, da auf dem Radar sich eine weitere verdächtige, rotierende Gewitterzelle auf der böhmischen Seite vom Erzgebirge entwickelt hatte. Doch diese zog weiter unter Abschwächung nicht über den Kamm, am Eisschirm konnte man aber ausgeprägte Mammatuswolken beobachten.

Hier auch noch mal eine Videozusammenfassung aller Ereignisse bis hin zum spektakulären Abendhimmel mit Zeitraffer.

Jetzt sind erst einmal keine Unwetter mehr in Sicht! Chaserpause für uns und Aufräumen für die Anwohner ist nun angesagt!

Bis bald euer Sturmjägerteam!