19.05.17 Schwere Unwetter über Thüringen

Hallo liebe Leser/innen,

wir melden uns 2017 zurück mit mehr als ein paar Gewitterchen. Es war Langezeit ruhig. Der Winter war recht durchschnittlich, den ein oder anderen Schneesturm gab es auch. Der Monat März war recht warm, der April recht kalt. Auch die erste Maidekade war mehr als zu kalt. Wir freuten uns alle auf Sommer, Wärme und trockeneres Wetter. Das warme Wetter kam, jedoch nicht lange ohne Gewitter und Unwetter. Ab 12. Mai nahm die konvektive Aktivität zu. In Deutschland wurde es schwüler und feuchter. Die Zutaten für Gewitter waren gegeben, leider auch für Unwetter. Ausreichend Cape, eine Konvergenz (Zusammenströmen von Luftmassen) sorgten für erste Unwetter. Wir waren am 12. Mai anfangs um Weißenfels unterwegs. Starkregen und Hagel setzte einige Gebiete unter Wasser.

Keller liefen jedoch nicht voll. Dafür fiel um die 2 cm großer Hagel. Es sollte nicht der letzte gewesen sein!

Leichte Überflutungen machten Autofahrer bei Lützen zu schaffen.

Die Gewitter um Halle schwächten sich an jenem Tag ab und weitere Gewitter gab es in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Der Aufzug im Abendlicht war legendär, die Unwetter trafen unbesiedeltes Gebiet, sodass die Schäden sich in Grenzen hielten.


Der 13. Mai hatten dann schon etwas mehr „Pulver“ zu bieten. Etwas mehr an Labilität, Cape und Scherung war vorhanden. Mittlerweile entstanden keine Gewitter mehr sondern immer mehr Unwetter. Wieder traf es die Gegend um Weißenfels. Die Entstehung eines Unwetters sah schon Eisenberg sehr spektakulär aus. Ein riesiger ausgewachsener Cumulus Nimbus zeigte die Kraft des Gewitters.

Kurz vor Weißenfels sah man dann auch vermehrt Organisation. Eine dunkle Gewitterbasis sah man.

Die Folgen waren dann absehbar. Überflutungen auf Straßen.

Hagelansammlungen in den Wiesen.

Anwohner hatten alle Hände voll zu tun, um die Schäden zu beseitigen.

 

Für den 19. Mai deutete sich dann eine Schwergewitterlage an. Die schwüle Luftmasse sollte auf engsten Raum und engen Temperaturkontrasten ausgeräumt werden. Wir berichteten auf unserer Facebookseite ausreichend darüber und warnten im Nowchastbereich entsprechend. Die Wettermodelle hatten ausreichend Labilität:

Die Windscherung war hoch, ein Bodentief sorgte für Dynamik. Die Feuchte war enorm. Ein Deckel verhinderte frühzeitig Gewitteraktivität. Eine sogenannte Loaded Gun Lage stand bevor. Gewitter werden unterdrückt und wenn ein Gewitter den Deckel durchbrechen wird, wird es brenzlig. Kachelmanns Vorhersagekarten sprangen entsprechend drauf an.

Gegen 16 Uhr war es dann so weit. Über dem Thüringer Wald, bzw. in dessen Vorland entstanden erste Superzellen. Eine davon traf Jena mit Tennisball großen Hagel. Gleich nebenan schoss die nächste Superzelle nach oben, brachte Ostthüringen 3 cm Hagel. Weitere folgten gen Gera, Halle. Ein riesiges Gebiet wurde nun von Hagel ab 2 cm getroffen. Schäden in Millionenhöhe entstanden.

Erste Aufnahmen gelangen uns bei Gera. Hier gab es Hagel um 2 cm, dafür enorme Regenmengen. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Hagel und Schlamm flutete zahlreiche Grundstücke.

Diese Superzelle konnten wir im Aufzug noch einmal bei Zeitz festhalten. Dabei verlor sie etwas an Struktur. Dennoch war die Mesozyklone (rotierender Aufwindbereich einer Superzelle) direkt vor uns. Eine akute Tornadogefahr bestand nicht mehr.

Andere Chaser aus dem Team waren an der Jenaer Superzelle dran. Sie verwüstete ganze Ortschaften. Riesiger Hagel und Wassermassen zerstörten Existenzen. Anwohner werden wochenlang mit den Aufräumarbeiten zu tun haben. Die dokumentierten Hagelgrößen lagen bei um die 4 cm.

Die Überflutungen und unzugängliche Straßen zwangen selbst uns Sturmjäger in die Flucht.

Wenigstens gab es einen Tag drauf Wetterbesserung mit einem tollen Sonnenuntergang.

Anbei noch einige Videos von den Ereignissen!

Unwetter Engerode (Sachsen-Anhalt)

Unwetter Thüringer Wald

Hagelschäden Lehnstedt und Schlammlawine Hammerstedt (Thüringen)