16.06.16 - 21.06.16 Unwetterjagd in Rumänien

Hallo liebe Leser/innen,

nach der Unwetterlage Ende Mai kehrte etwas Ruhe in der Wetterküche ein. Das Sturmjägerteam Erzgebirge/Vogtland hatte dabei im Sommer noch Großes vor! Eine Chasingtour am Mittelmeer war seit mehreren Monaten geplant. So ganz langte es jedoch nicht für das Mittelmeer. Dagegen zeigte sich eine interessante, wenn auch seltene Wetterlage für den Balkan an. Bernd aus dem Team, sowie 2 weitere Chaser aus Bayern nutzten die Gelegenheit und entschlossen sich recht kurzfristig, in den Balkan zu reisen.

Die Wetterlage war brutal und recht selten für Mitteleuropa. Über mehrere Tage sammelte sich Energie, welche man nur aus den USA kennt. Dazu gab es an mehreren Tagen einen Taupunkt, der in Mitteleuropa ebenso selten ist. Außerdem lag ein Jet (starkes Windfeld in der Höhe) über der Luftmasse. Für uns Wetterjäger ist das eine Ausgangssituation, die für sehr schwere Unwetter spricht. Passt die richtige Menge der Gewitterzutaten wird es richtig explosiv. Im weiteren Verlauf wurden wir nicht enttäuscht, vielmehr gelehrt!

Fangen wir daher mit der Reise an!

16.06.2016 – wir befanden uns noch in Deutschland. Die Luftmasse, welche den Balkan in den folgenden Tagen beschäftigen wird, erreichte Süddeutschland. Die Option auf schwere Gewitter war gegeben. Vor allem Superzellen (rotierende Gewitterwolken mit Gefahr von Großhagel, Tornados) sollte es geben.

Wir positionierten uns bei Freising und fuhren weiter Richtung Passau. Die Luftmasse war gedeckelt, d.h. die Entstehung von Gewittern wurde unterbunden. Doch dann durchbrachen insgesamt 2 Gewitter den Deckel. Schnell war klar, eine Superzelle entstand. Wir standen nahe Passau und hatten einen weiten Blick gen diese Superzelle.

Alleine wie weit der Gewitterschirm „weggeblasen“ wurde, war gigantisch. Da war definitiv ordentlich Windscherung dabei.

Ca. 15 Minuten später sah man dann die freistehende LP-Superzelle in voller Pracht. Sie brachte derweil schon größeren Hagel. Was für ein Anblick!

17.06.2016 – es ging weiter gen Rumänien. Mit einem Zwischenstopp in Österreich gab Estofex (Organisation welche Schwergewitter in Level vorhersagt) ein Level 3 heraus. High Risk – höchste Gefahr von schweren Gewittern mit hoher Wahrscheinlichkeit von heftigen Wettererscheinungen wurde für Rumänien heraus gegeben. Bis 18 Uhr passierte nix. Doch dann ging es Schlag auf Schlag. Insgesamt 7 Superzellen gab es um Oradea. So etwas haben wir noch nie gesehen. Die südlichste davon erwischten wir. Zuvor quellte es aber gewaltig.

Eine Klassik-Superzelle zog auf.

Was für ein Anblick zur Dämmerung. Doch wir suchten gleich nach einer Tankstelle, Großhagel zog auf, bis zu 6 cm große Hagelkörner fielen.

Danach folgte eine weitere Superzelle. Auch sie rotierte, war jedoch nicht mehr ganz so stark.

18.06.2016 - es zog uns nach Mittelrumänien. Die Option für schwere Gewitter war wieder gegeben. Wieder gab es ein Level 3. Dies wurde bestätigt, denn an mehreren Superzellen fiel Großhagel und es gab mindestens einen Tornado.

Auch wir hatten Glück, eine LP-Superzelle zog auf. Großer Hagel war wahrscheinlich. Wir bekamen nur 2 cm großen Hagel ab.

Leider wussten wir im Nachhinein nicht, dass die A1 nach Bukarest führte. Mit Autobahnen hat es Rumänien nicht so, man fährt quasi nur Landstraße. Denn die Wettersituation änderte sich massiv. Ein Radiosondenaufstieg von Bukarest zeigte, dass es in dieser Gegend in kurzer Zeit zu schweren Unwettern kommen wird. So war es auch. Eine riesige LP-Superzelle – so groß wie Österreich – entstand. Sie brachte 13 cm großen Hagel in dieser Gegend. WOW.

Für uns unerreichbar, wir durften die Landschaft genießen. Die Kultur, Lebensweise und Art Rumäniens sahen wir leider nur für 4 Stunden. Es waren aber beeindruckende 4 Stunden!

Einen tollen Sonnenuntergang und ein schwaches Gewitter in Zentralrumänien – das war alles für den 2. Tag unserer Chasingtour.

19.06.2016 – wieder standen schwere Unwetter auf den heutigen Plan. Estofex wieder mit einem Level 3. In unserem Bereich gab es ein Level 2. Immer noch ausreichend für heftige Gewitter. Wir fuhren in die Gegend von Târgu Jiu. Goldrichtig, denn es entstand südlich der Karpaten eine heftige HP-Superzelle.

Der Aufzug alleine war lehrbuchhaft. Alle Strukturen einer Superzelle waren vorhanden.

Sie kam näher – was für ein Biest.

Sie brachte Hagel bis 6 cm. Extremen Starkregen mit einer Springflut. Der Wasserpegel einiger Flüsse stieg in 10 Minuten auf das 10-Fache an!

20.06.2016 – der Chaserhöhepunkt unserer Chaserkarriere und in Rumänien!

Estofex wieder mit einem Level 3. Ausgangswerte von Cape und Scherung gab es so wahrscheinlich noch nicht in Europa. Eine loaded gun Wetterlage stellte sich ein. Dabei spricht man von einer Gewitterlage, bei der ein Deckel die Entstehung von Gewitter verhindert. Irgendwann wird der Deckel gesprengt. Nur ein paar Gewitter entstehen, diese haben jedoch die gesamte Energie zur Verfügung und werden zu massiven Unwettern!

19:30 Uhr – der Deckel wurde gesprengt, eine erste starke Superzelle entstand in Serbien, nur 80 Km von uns entfernt, sie brachte einen Tornado. Nördlich davon entstand eine weitere sehr starke Superzelle.

Wir sahen nur die Mammaten, aber selbst hier rotierte und dreht sich alles!

Wenig später sah man dann die LP-Superzelle. Was für ein Monster! Hier konnte es nur Großhagel geben!

Wir hatten nur ein Problem! Wir mussten durch eine größere Stadt. Risiko für uns, welches wir eingehen wollten.

Am Stadtende von Timişoara standen wir im Bärenkäfig. Nur 200 Meter trennten uns von riesigen Hagel und der Autobahn also Zuflucht. Die Stimmungen waren gespenstisch.

Wir kamen noch gerade so sicher heraus. Insgesamt 4 gewaltige Superzellen waren unterwegs. Dank der A1 konnten wir die Superzelle aus Serbien anfahren. Es war schon dunkel – extrem gefährlich, denn man sieht nicht was auf einem zukommt. Wir fuhren nach Păru. Es blitzte nun ca. 5 Mal pro Minute. Die Nacht wurde zum Tage. Wir sahen eine Superzelle, die es so wohl nur in den USA gibt. Eine riesige Mesozyklone mit deutlicher Rotation in allen Stockwerken, bis in 12 Km Höhe. WOW!

Danach endete unsere Chasingtour. Unfassbar was wir an Wetter gesehen haben! Superzellen und Gewitter die unser Leben prägen werden.

Ein Video gibt es auch, zusammen geschnitten aus zahlreichen Chasingminuten unter:

Bis bald!

Euer Sturmjägerteam Erzgebirge/Vogtland.

Rekordunwetterlage in Deutschland

Hallo liebe Leser/innen,

eine Rekordunwetterlage traf weite Teile Deutschlands im Mai und Anfang Juni. Bestimmend hierfür war eine Tiefdruckrinne, die sich quer durch Mitteleuropa schob. Anfangs waren die Temperaturen recht hoch, sodass es oft Hagelunwetter gegeben hat. Später wurde es nicht mehr ganz so warm, Starkregenereignisse traten auf. Die Zellen waren so langsam, dass Fluten mehrere Ortschaften zerstörten, es gab zahlreiche Tote und Verletzt, Schäden in Millionenhöhe. Wir waren quasi nonstop dabei. Über 11.000 Kilometer kamen zusammen. Fangen wir chronologisch an.

Am 27.05.2016 gab es erste Starkregenzellen im Erzgebirge. In der Gegend um Freiberg blieb ein Gewitter besonders lange „hängen“ und war recht intensiv. Die Folge war eine Schlammlawine in Oberbrobitzsch. Sie verwüstete zahlreiche Grundstücke.

Ebenfalls am 27.05.2016 waren andere Chaser aus dem Team in Bayern unterwegs. In der Gegend um Regensburg gab es ebenfalls zahlreiche Gewitter, teils mit Hagel. Die Gewitter hier waren recht turbulent, auch zahlreiche Superzellen wurden gesichtet.

Am Abend zog eine sterbende LP-Superzelle gen Regensburg. Man sah noch die Mesozyklone und anschließend Mammatuswolken. In der untergehenden Sonne ein wunderschönes Schauspiel!

Am 28.05.2016 ging es im Erzgebirge weiter. Erste Zellen brachten intensiven Starkregen und Hagel nahe Johanngeorgenstadt. Das Unwetter traf zum Glück unbesiedeltes Gebiet, sodass größere Schäden ausblieben.

Keine Stunde später zog erneut ein Gewitter auf – gekoppelt an der sterbenden Zelle aus Johanngeorgenstadt – entstand diese über Stollberg und hatte ihren Höhepunkt direkt in Chemnitz. Hier hagelte es um die 3 Zentimeter. Teilweise bis zu 50 cm hoch türmten sich die Hagelmassen. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.

Am 29.05.2016 folgte dann ein ziemlich schweres Unwetter. Eine HP-Superzelle entstand bei Eibenstock und zog gen Chemnitz. Gefährlich war die langsame Zuggeschwindigkeit, was eher untypisch ist. Vermutlich orografisch und durch ein kleines Bodentief entstand die hochreichende Rotation. Bis zu 160 mm an Niederschlag!!!! Fielen um Eibenstock. Zum Glück in Form von Hagel bis zu 3 Zentimeter, sonst wäre es hier zu einer zerstörerischen Flut gekommen.

Aufzug der HP-Superzelle, wir befanden uns direkt unter der Mesozyklone, welche rotierte, es bestand Tornadogefahr.

Die Feuerwehr musste mit Schaufeln und Schneeschieber die Hagelmassen von der Straße beseitigen.

Ebenfalls am Abend des 29.05.2016 löste es dann erneut und flächig in Deutschland aus. Überall gab es Sturzfluten, so auch in Ilmenau. Auch hier riesige Hagelberge und schwere Überflutungen.

Nach einer kurzen Pause, unwetterte es am 31.05.2016 schon wieder. Wieder war das Erzgebirge betroffen. Enorme Regenmengen um Walthersdorf und Scheibenberg ließen die Feuerwehr zum Dauereinsatz rufen.

Mittlerweile gehörten die Sandsäcke zur Hauptausrüstung.

Am 01.06.2016 saufte das Erzgebirge wieder ab. Wasserschäden und Schlammlawinen in Crottendorf, Dörfel, Hermannsdorf, Buchholz. Wir waren an der falschen Ecke unterwegs, erwischten am Abend aber einen tollen Regenbogen – hier zeigten sich die das erste und leider auch einzigste Mal von seiner schönen Seite.

Am 02.06.2016 gab es nunmehr weniger Hagelgewitter, dafür riesige Niederschlagsmengen. Die Gewitter wurden noch langsamer. Im Ahrtal in Rheinland-Pfalz gab es ein Jahrhunderthochwasser. Camper mussten mit Hubschrauber gerettet werden.

Am 04.06.2016 gab es schon wieder in der Nähe vom Ahrtal Katastrophenalarm. Diesmal waren die Nachbargemeinden davon Betroffen. In Nierendorf konnte eine Frau in letzter Sekunde von den Wassermassen gerettet werden. Autos wurden weggespült, Häuser regelrecht mitgerissen.

Am Abend des 04.06.2016 wurde dann die Veranstaltung Rock am Ring abgesagt. Wenige Tage zuvor gab es über 80 Verletzte. Der Blitz schlug im Gelände ein. Das Gelände versank bis zu 40 cm hoch im Schlamm. Zu gefährlich für die Menschen, die Veranstaltung wurde am Samstag abgebrochen.

Im Erzgebirge gab es am selben Tag sogar ein Tornado. Eine Trichterwolke ging fast bis zum Erdboden. Auch wenn das Gewitter nicht sonderlich stark gewesen ist, waren es beeindruckende Aufnahmen unserer Kollegen.

Am 05.06.2016 zog es uns in das nächste Katastrophengebiet. In Polling stand die Stadt unter Wasser. Dämme drohten zu brechen. 700 Einsatzkräfte waren vor Ort, über 80 Pumpen pumpten das Wasser aus dem Ort.

Zeitgleich im Erzgebirge zog eine Gewitterlinie aus Nordosten auf. Sie drängte die erste Unwetterluft nach Südwesten zurück. Mit einer beeindruckenden Böenfront, kleinen Hagel und ein paar umgestürzte Bäume blieben größere Unwetterschäden aus.

Die letzten Unwetterzüge gab es dann am 08.06.2016 in Bayern. Wir waren in Oberfranken unterwegs. Überflutungen und kleinen Hagel gab es. Auch zahlreiche Blitze. Die Unwetterfront wurde nun immer weiter gen Süd gedrängt.

Danach gab es das erste Mal seit Wochen angenehmes Sommerwetter. Die Bergwiesen blühen in voller Pracht. Die Sommerprognose ist jedoch nicht sonderlich einladend. Das Schema: Tiefdruckrinne und langsam ziehende Gewitter wird uns wohl noch bis Ende August beschäftigen, wenn auch derzeit eine etwas kühlere Wetterphase ansteht.


Für uns waren die Schäden und Schicksalsschläge schon hart anzusehen. Die Leute erzählten teilweise unter Schock mit uns darüber.

Ein zusammenfassendes Video mit Tornado, Hagelmassen und Böenfronten gibt es unter:

https://www.youtube.com/watch?v=1s4MT_q9ohw

 

Bis bald eurer Sturmjägerteam!

23.05.2016 schwere Unwetter durch Superzellen

Hallo liebe Leser/innen,

kaum war nach dem Pfingstschnee der Sommer da, krachte es mächtig gewaltig am Himmel. Ursache hierfür war eine Tiefdruckrinne. Sie trennte warme, labile Luft im Osten von kühlerer Luft im Westen. Zum Vergleich am Sonntag gab es bis zu 30 °C im Osten, im Allgäu schneite es auf 1200 Metern! Gegensätze die ausgeglichen wurden. Und zwar von heftigen Unwettern.

Zahlreiche Wettermodelle prognostizierten die Wetterlage, mit zahlreichen Unsicherheitsfaktoren. Fakt war, dass ein entstehendes Randtief sich unter Intensivierung nach Norden bewegen wird und Ostdeutschland beeinflussen wird.

Schon am Sonntag gab es erste Hitzegewitter nahe Gera. Viel passierte nix, noch nix.

Am Montag gegen 13 Uhr sah man die Entwicklung. Erste Gewitter lösten westlich von Prag aus. Fehlender Höhenwind lies diese langsam ziehen. Rasch entwickelte sich eine HP Superzelle, wie man sie nur aus den USA kennt. Großer und enorm viel Hagel fiel hier. Teilweise lag dieser bis zu einem Meter hoch. Es kristallisierte sich heraus, dass vor allem die Gegend von Dresden bis nach Görlitz der Gewitterschwerpunkt sein wird.

Insgesamt 4 Chaser aus dem Team machten sich somit auf dem Weg. Einer blieb auf deutscher Seite nahe Dresden, die restlichen drei fuhren Prag an.

Mit einer Böenfront, viel Rotation und einem türkisen Schimmer in der Niederschlagswand zeigten nix gutes.

In Slany ging dann die Post aber. Wir standen unter der Tankstelle. Extremer Starkregen und Hagel fiel vom Himmel.

So viel Wasser schaffte die Kanalisation nicht, es kam zu ersten Überflutungen.

Autos steckten anschließend im Wasser fest.

Da die Gewitter auf Dresden zu zogen, verlagerten wir unseren Standpunkt wieder nach Dresden. Unterwegs kamen wir noch kurzfristig vor die Superzelle. Mächtig rotierende Wolken gingen bis zum Boden. Ein Tornado war nunmehr nicht mehr auszuschließen.

Es entwickelte sich eine weitere HP-Superzelle, getriggert durch die alte Superzelle. Direkt an der Grenze zu Deutschland ging diese auf deutscher Seite hoch. Rasant erreichte sie das HP-Stadium. Sie rotierte massiv und gefährlich.

Wir kamen bei Oberuhna an und sahen das Biest vor uns!

Gefangen in der Zelle gab es massiven Hagelschlag. Beulen in den Autos entstanden. Hagel, Starkregen fegte mit Orkanstärke an uns vorbei. Eine sehr gefährliche Situation.

Danach sah man das Folgen. Enorme Schäden und Hagelmassen in der Region.

Die Superzelle, welche nun am Ende eines riesigen MCS, evtl. sogar MCC klebte hatte eine sehr hohe Blitzrate, daher konnten wir noch einige Blitze einfangen.

Am Folgetag gab es eine starke Zelle bei Altenhof. Ein Wärmegewitter aber trotzdem mit bis zu 4 cm Hagel!

Anbei zwei Videos. Das erste Video zeigt die Nachtgewitter über Thüringen, die Superzelle bei Slany nahe Prag, die weitere Superzelle bei Oberuhna und Hagel am Folgetag bei Altenhof:

Michel dokumentierte die HP-Superzelle in Tschechien in der Nähe von Most/Teplice. Auch er hat ein Video dazu:

Heftige Bilder zu Sommerbeginn und die nächsten Unwetter warten schon auf uns. Am Sonntag wird es wieder heftig krachen!

Euer Sturmjägerteam.